Eine Wohnlandschaft


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Tag des offenen Denkmals - Vielen Dank.

 

Wir bedanken uns bei den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern für ihr Interesse. Wir hoffen, Ihnen das Denkmal etwas näher gebracht zu haben.

 

Der nächste Tag des offenen Denkmals findet 2017 am Sonntag, den 10. September statt.

 

 

 

   

Film:

Der Filmemacher Georg Divossen hat einen Kurzfilm über die HiCoG-Siedlung gedreht. Auf seiner Webseite "Filmemacher-Bonn" kann er abgerufen werden. Dorthin gelangen Sie über diesen Link:

http://www.filmemacher-bonn.de/hicog-siedlung-pennenfeld-ein-denkmal-in-gefahr/

 

 

Leben im Denkmal

die HiCoG-Siedlung Muffendorf

in Pennenfeld

 eine Wohnlandschaft

 aus den Anfängen der Bundesrepublik Deutschland

  

Geschichte

Die HiCoG-Siedlung Muffendorf ist ein einzigartiges Denkmal der frühen Bundesrepublik.

Im Jahr 1949 bestimmte der Parlamentarische Rat Bonn zur provisorischen Bundeshauptstadt. 

So zog der US High Commissioner of Germany 1951 von Frankfurt nach Bonn und baute auf dem freien Feld unterhalb von Muffendorf (heute der Ortsteil Pennenfeld) in kürzester Zeit einen neuartigen Wohn- und Lebensraum für seine einfachen und mittleren Angestellten. 

Diese Wohnanlage sollte dem neuen demokratischen Selbstverständnis Ausdruck verleihen.

Damit ist die HiCoG-Siedlung eine der „monuments to the new German-American-relationship“.

 

Hochhaus Röntgenstraße 19

 Gesellschaftliche Vision

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland sollte eine Abkehr von der totalitären Uniformierung alles Menschlichen vollzogen werden und ein neuer Zeitgeist auch in der Siedlungsarchitektur der Städte sichtbar werden. 

Die Sehnsucht nach Freiheit, Offenheit und das Recht jedes Einzelnen auf Geräumigkeit, Ruhe und Erholung wird hier zum ersten Mal im Nachkriegsdeutschland verwirklicht und sollte als Vorbild der Stadtplanung dienen. 

Das neue Konzept besteht in einer leichten, aufgelockerten Architektur; diese wird verbunden durch einen offenen, großzügig gestalteten Naturraum, der das Zusammenleben von Menschen aller Nationen der Welt befördern soll.

Hier dokumentiert sich ein neues politisches und bürgerschaftliches Selbstverständnis. Transparenz, offene Strukturen, großzügige Freiräume – in Politik und Alltagsleben - sollen von nun an für eine neue soziale Idee des Zusammenlebens leitend sein. 

Ähnliches gilt für die Schwestersiedlung, der HiCoG-Siedlung Tannenbusch, und für die Amerikanische Siedlung in Plittersdorf.

Im Wohnungsbau nach 1945 kam es leider in ganz Deutschland zu keiner weiteren Realisierung einer solchen ausgedehnten integrativen Konzeption.

 

 

Siedlungsarchitektur

Mit den Wohngebäuden beauftragt wurde einer der bedeutendsten Architekten der Zeit, Sep Ruf, der einige Gebäude in Bonn, u.a. auch den Bundeskanzlerbungalow entworfen hat. 

Ruf greift die durch den Nationalsozialismus unterbrochene Tradition des Bauhauses auf, das den beengten Behausungen der Mietskasernen mit ihren dunklen Hinterhöfen lichtdurchflutete, geräumige und alltagspraktische Wohnungen entgegenstellen wollte. 

Große Fenster und z.T. offene Flure öffnen den Blick auf eine Landschaft, die den Bewohnern und allen Bürgern Erholung bietet.

Herauszuheben ist auch die Innenarchitektur: Die Wohnungen waren ursprünglich mit platzsparenden Einbauküchen ausgestattet, einer Neuerung der Bauhausarchitektur, die die Arbeit praktisch und bequem gestalten sollte.

Sep Ruf konzipierte vielfältige Bautypen für die jeweiligen Bedürfnisse der Bewohner. Der Wohnungszuschnitt der verschiedenen Baukörper kommt den verschiedenen persönlichen Verhältnissen entgegen und bietet Alleinstehenden, Paaren und Familien passende, für die 50er Jahre großzügige Wohnformen.

Durch die aufgelockerte Anordnung sechs sehr unterschiedlicher Gebäudeformen präsentiert Ruf ein Gegenmodell zu den starren Häuserfluchten der Gründerzeit und des Wilhelminismus. Statt den Blick durch massive Baukörper einzuengen und streng zu lenken, soll der Bewohner und Spaziergänger seiner Umwelt zwanglos und entspannt begegnen können und im Nahbereich Erholung von Arbeit und Pflichten finden.

 

 

Landschaftsarchitektur

Abgestimmt auf die Bauarchitektur der Siedlung wurde von dem renommierten Landschaftsarchitekten Hermann Mattern, in Zusammenarbeit mit Heinrich Raderschall aus Bonn, ein einzigartiger Naturraum, eine „Wohnlandschaft“ gestaltet. 

Blickachsen, die eine erstaunliche Weite vermitteln, gehen einher mit Arrangements von aufgelockerten Baumgruppen, die die großen Baumassen (im Sommer) fast verschwinden lassen.

Abgesehen von einigen später vorgenommenen Pflanzungen, die nicht im Pflanzplan Matterns vorgesehen waren, sowie Pflanzen, die heute nicht (mehr) zu finden sind, ist das Grundkonzept Matterns unmittelbar zu erleben. 

Die von Mattern vorgesehenen Pflanzen sind von einer außerordentlichen Vielfalt der Größe und Wuchsform, der Blattfarbe und –form sowie der Blühzeiten und lassen die Siedlung in einer ständig sich wandelnden Gestalt erleben. 

Statt Naturraum nur zu verbrauchen, wollte Mattern die Natur ökologisch bewusst gestalten und einen Ausgleich zum Landschaftsverbrauch des Menschen finden, Lebensform und Lebensraum des Menschen mit dem Naturraum in eine harmonische Beziehung bringen.

 

 

Grünanlagen in Bad Godesberg

Im 18. Jahrhundert wurde aus einer kleinen Gemeinde unterhalb der Godesburg ein Kurort, in dem die Adligen und Wohlhabenden ihrer Zeit residierten und sich nicht nur medizinischen Anwendungen, sondern vielfältigen Genüssen widmeten. Neben dem Besuch von Heilstätten, Konzerten und des Kasinos gehörten dazu auch Spaziergänge durch die Parks sowie Ausflüge in die landschaftlich reizvolle Umgebung des Rheintals, des Kottenforsts und des Vorgebirges.

Bad Godesberg verfügt aber heute nicht nur über einen ausgedehnten Park für seine Kurgäste, sondern auch über eine an diesen anschließende große Wiese, die Möglichkeiten für freie sportliche Aktivitäten, Zirkus, Flohmärkte, Feiern und Unterhaltung bietet. 

Und – nur durch eine Straße von der Rigal’schen Wiese getrennt – dokumentiert Bad Godesberg im Ortsteil Pennenfeld die Idee der „gegliederten und aufgelockerten Siedlung“ im Bereich des Wohnens - öffentlich zugänglich und erlebbar für jeden Spaziergänger. 

Literatur

Literatur zum Denkmal:

  • Architekturführer Bonn, von Andreas Denk und Ingeborg Flagge, dt. und engl., 1997, ISBN: 3-496-01150-5, Seiten 79-80
  • HICOG zieht an den Rhein : Die Verlegung des US-Hauptquartiers nach Bad Godesberg im November 1951, Autor: Helmut Vogt, 2001, in: Godesberger Heimatblätter, Band 39, Seiten 172-190
  • Die HICOG-Siedlung in Bonn Tannenbusch : ein Beitrag zum Siedlungs- und Städtebau der Nachkriegszeit, Autorin: Kerstin Kähling, 1999, in: Jahrbuch der rheinischen Denkmalpflege, Band 38, Seiten 45-110
  • Denkmalliste der Stadt Bonn, Anlage, Denkmalnummer A3190